6. Dezember 2025 – Ansprache zum 75. Geburtstag des Bürgervereins
In Gallien gibt es ein kleines Dorf, das wird das Dorf der Unbeugsamen genannt. Hier regieren und kämpfen Majestix, Asterix und Obelix. Auch der IchTunix darf nicht fehlen!
Wenn ich in den Chroniken über die Gründung des damaligen Ortsvereins in St. Georgen im Jahr 1950 -. heute Bürgerverein Freiburg St. Georgen – lese, waren sich die 16 Gründer – ich muss hier sagen – leider nur Männer – einig, dass es sich hierbei um ein – Zitat – „illegales Dorfparlament“ handelt.
Die unbeugsamen Gallier, die den römischen Besatzern den Kampf ansagten und am Ende immer siegreich waren, und die „Jergemer“– ein schräger Vergleich!
Aber!
In der DNA der St. Georgener scheint der Widerstandsgedanke fest verwurzelt. Zu Recht wird immer wieder auf die negativen Folgen der Zwangseingemeindung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 für den Stadtteil hingewiesen. Sie hatte nicht nur einen großen Flächenverlust, sondern auch das Ende der Selbstverwaltung St. Georgens zur Folge.
Und auch später setzten die Jergemer sich so manches Mal mit ungewöhnlichen und auch drastischen Maßnahmen für ihre Ziele ein.
Man denke
- an die Aktionen zum Erhalt des St. Georgener Schwimmbads, als Traktoren vor dem Freiburger Rathaus vorfuhren, um dem Wunsch nach Erhalt und Sanierung des Bads Nachdruck zu verleihen,
- an die Aktionen des Bunt Bürgerlichen Bündnis am Friedhof für den Erhalt des Grundgesetzes
- die Demonstrationen, um sich für ein Bürger- Vereins- und Kulturhaus auf dem Stubengelände einzusetzen.
- Nicht zuletzt die gemeinsame Aktion vom Bürgerverein und der Bürgerinitiative „Gute Gleise“, am letzten Samstag, bei der wir 500 Luftballons in den Rebbergen aufgehängt haben, um den von der Bahn geplanten neuen Streckenverlauf am und im Schönberg (Schönbertunnel) zu markieren. – nach dem Motto: Gemeinsam für eine bessere Bahn – Besser für Mensch, Natur und Klima
Die Gallier und die Römer! – St. Georgen und Freiburg! Bis heute ein Spannungsverhältnis:
Es heißt ja auch heute noch in St. Georgen „: ich fahre in die Stadt.“
An Selbstbewusstsein fehlt es den St. Georgenern nicht. Man ist stolz auf „das Dorf in der Stadt. Auch neu zugezogene Bewohner schwärmen vom dörflichen Charakter und dem Charme des Stadtteils. St. Georgen hat was, was andere Stadtteile nicht haben. Es bietet etwas für alle! Angefangen, bei den vielen Festen, die das Jahr prägen. ob Neujahrsempfang, dem lebendigen Fasnachtsumzug – einem Fest für Familien und Kinder ohnegleichen, dem Georgsritt, dem Maihock, den Weintagen, zahlreichen Kirchenfesten und musikalischen Veranstaltungen, der Herbstwanderung und dem Adventsmarkt – diese Feste bestimmen den Jahresablauf hier im Stadtteil.
Was St. Georgen stark geprägt hat und bis heute noch prägt und trägt, ist die Vereinsstruktur und die Vereinskultur. – Gemeinsam sind wir stark – wir stimmen uns ab, unterstützen einander tatkräftig – bei Festen und Jubiläen, aber auch bei der Entwicklung von Ideen zur zukünftigen Gestaltung St. Georgens. Und natürlich hilft es Neu Zugezogenen bei der Intergration in einen Verein einzutreten und sich hier zu engagieren. – Vielleicht nicht immer ganz einfach, denn das berühmte: „Das haben wir noch nie so gemacht, da könnte ja jeder kommen“ ist auch hier wohl bekannt. Aber mit dem Zuzug auch neuer StadtteilbewohnerInnen, darunter viele Familien mit Kindern gibt es auch neue Ideen, neue Anstöße, die wir hoffentlich auch verwirklichen können.
St. Georgen und Freiburg! Wirklich nur ein Spannungsverhältnis?
Nein!
Manchmal sind wir mit der Stadt, der Stadtverwaltung, den Gemeinderäten, sogar den Bürgermeistern versöhnt: Wir haben schöne Spielplätze, der Uffhauserplatz ermöglicht Begegnungen von Alt- und Jung, von Alteingesessenen und Neubürgern, wir haben mit der Renovierung und dem Umbau des Stubenareals eine neue Mitte bekommen. Mit Gasthaus, Biergarten, Raum des Engagements, Heimat für viele Vereine, dem Büro des VDK, der Präsenz des Seniorenbüros mit Frau Bächle und der leider zu seltenen Öffnung des Gemeindesekretariats – und –
und darüber sind wir sehr glücklich. Wir haben eine Quartiersarbeiterin, Clara Freund, die ihrerseits St. Georgen mit viel Engagement unterstützt, vernetzt, organisiert, Neues initiiert.
Da sind wir der Stadt Freiburg wirklich dankbar. Nicht wir fahren in die Stadt, die Stadt kommt zu uns.
Was wir uns wünschen? – Wir wünschen uns
- Mehr Gehör für unsere Anliegen finden im Gemeinderat und bei der Stadtverwaltung, mehr Diskussion, mehr Miteinander, statt so häufig vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden
- Den Erhalt der Gestaltungssatzung – dass bei aller notwendigen und gewünschten Verdichtung unsere dörfliche Struktur erhalten bleibet.
- Ein Verkehrskonzept, das Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und den öffentlichen Nahverkehr berücksichtigt
- Und: – auch endlich die Umsetzung der Machbarkeitsstudie, um herauszufinden, ob eine Straßenbahn durch St. Georgen überhaupt sinnvoll ist.
Auf jeden Fall: Eine bessere Anbindung an eben diese Stadt Freiburg!
Damit wir aus vollem Herzen sagen können „Ich komme gerne, einfach und schnell in die Stadt.
Damit wir 75 Jahre Bürgerverein gemeinsam feiern können, gibt es am 13. Juni ein Sommerfest für alle St. Georgener.
Gisela Sigrist