
Glockenabnahme 1942
Nur selten kann man Glocken aus der Nähe betrachten. Momentan in der Kirche Peter und Paul, wo seit Monaten die Glocken aus der entweihten Kirche St. Josef darauf warten, im Kirchturm aufgehängt zu werden.1942 konnten die Glocken von St. Georg aus einem ganz anderen Grund aus der Nähe betrachtet werden, was die Kinder auf dem Bild auch mit Interesse tun. Weil die Kriegswirtschaft der Nationalsozialisten Rohstoffe zur Waffen- und Munitionsherstellung brauchte, verkündete Hermann Göring im Februar 1941 folgenden Erlass: „Um die für eine Kriegsführung … erforderliche Metallreserve zu schaffen, ordne ich an die Glocken aus Bronze …. zu erfassen und unverzüglich der dt. Rüstungsindustrie dienstbar zu machen.“ Von November 1941-April 1942 wurden 102 000 Glocken abgenommen und Großteils eingeschmolzen. Auch die Kirche St. Georg musste zwei ihrer vier Glocken abgeben. Im Februar 1942 wurden die Georgsglocke und Jungfrau-Maria-Glocke, beide erst 1905 gegossen, vom Turm geholt. Einige Tage standen sie vor der Kirche, wo dieses Foto entstand. Anfang März wurden sie abtransportiert. St. Georgen hatte noch Glück, denn es durfte zwei Glocken behalten, die als historisch wertvoll eingestuft wurden – die Susanna-Glocke von 1507 und die Marienglocke von 1790. In anderen Gemeinden blieb nur die kleinste Glocke im Turm hängen. Ein Teil der Glocken überdauerte den Krieg auf sogenannten Glockenfriedhöfen und wurde nach dem Krieg wieder zurückgegeben. Die St. Georgener Glocken aber kehrten nicht mehr zurück.
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